Last Night on Earth - Retrospektive Teil 2

Hier sind wir wieder mit „Last Night on Earth“ – Retrospektive Teil 2, und somit machen wir auch gleich dort weiter, wo wir vor kurzem stehen geblieben sind.

Im ersten Teil unserer Retrospektive haben wir die grundlegenden Mechaniken kurz zusammengefasst und die Atmosphäre des Spiels genauer beleuchtet. Jetzt möchten wir uns einige Charaktere anschauen und ein letzter Gedanke zu dem Spiel dazu.

Die Charaktere

Alle Überlebenden im Spiel sind unglaublich gut gestaltet,wenn man bedenkt wie alt das Spiel ist und bringen jeweils eine ganz eigene Vielfalt ins Spielgeschehen. Das Basisspiel umfasst acht Figuren: den Sheriff, den Sohn des Sheriffs, das Highschool-Schätzchen, den Quarterback, die Tochter des Bauern, die Krankenschwester, den Priester und den Drifter. Jeder Charakter verfügt über besondere Fähigkeiten, individuelle Startplätze und gelegentlich spezielle Ausrüstung, die seine Einzigartigkeit unterstreichen.

Ein besonderes Merkmal ist die Unterscheidung zwischen Teenagern und Erwachsenen. Vier der Charaktere sind Jugendliche und besitzen die sogenannte Jugendherrschaft. Das bedeutet, dass sie nur zwei Wunden erleiden können, dafür aber in der Lage sind, sich vollständig zu erholen, wenn sie ihre Bewegung aufgeben, um zu ruhen. Erwachsene Überlebende hingegen haben drei Wunden und erhalten zusätzlich eine weitere Fähigkeit, die ihnen im Überlebenskampf Vorteile verschafft.

Jeder Charakter fühlt sich wirklich einzigartig an, wobei selbst kleine Fähigkeiten dazu beitragen, die Persönlichkeit und den Stil des Charakters hervorzuheben. So ist beispielsweise Billy, der Sohn des Sheriffs, ein Leichtathlet, der seinen Bewegungswurf um eins erhöhen darf. Johnny wiederum kann beim Durchqueren von Zombiehorden blitzschnell angreifen und mit jedem Zombie, den er passiert, eine kostenlose Kampfaktion ausführen. Beide Fähigkeiten sind nicht nur nützlich, sondern unterscheiden sich auch deutlich im Spielgefühl.

Darüber hinaus enthält das Regelwerk auch eine interessante Hintergrundgeschichte, die die narrative Tiefe des Spiels verstärkt. So wird erwähnt, dass Jake, der Drifter, das letzte Mal, als er durch die Stadt zog, ein Ereignis ausgelöst hat, das Sheriff Anderson dazu veranlasste, überall Waffen zu verstecken. Diese Geschichte ist sogar noch weitreichender, als man zunächst annimmt: Jake Cartwright wird vom selben Schauspieler verkörpert, der auch den Cartwright in „A Touch of Evil“ spielt, einem Spiel, das in der Kolonialzeit angesiedelt ist. Viele Fans vermuten daher, dass es sich bei beiden um denselben Charakter handelt, was dem Spiel eine spannende Verbindung zwischen den Zeiten verleiht.

 

Dieses Spiel ist eines von denen, über die ich später immer wieder Geschichten erzähle, allerdings auf eine andere Art, als es bei den meisten Brettspielen üblich ist. Normalerweise sprechen wir von lustigen Momenten oder engen Siegen, aber wenn es um Last Night on Earth geht, erzähle ich die Geschichten so, wie man über Filme oder Videospiele spricht.  

Meine Freunde machen dasselbe: Wir sagen, wir hätten überlebt oder wären gestorben. Wir sprechen die Charaktere direkt mit ihren Namen an und lassen uns von der Handlung mitreißen, selbst wenn diese manchmal durch pure Zufälle oder kuriose Ereignisse geprägt ist. Man baut eine gewisse Bindung so weit man das zu einem Spiel sagen kann zu den Charakteren auf. 

Eine Mission, die uns besonders in Erinnerung geblieben ist, heißt "Escape in the Truck". In diesem Szenario steht ein Truck in der Mitte des Spielfelds. Die Spieler ssen dann in der Stadt zwei wichtige Gegenstände – Benzin und einen Schlüssel finden. Nachdem das Benzin aufgetrieben wurde, muss der Spieler, der es besitzt, seinen Zug am Truck beenden, auf seine Bewegung verzichten und die Benzinkarte ablegen. Wenn sich am Ende der Runde die Person mit dem Schlüssel ebenfalls im Bereich des Trucks befindet, können alle Überlebenden die Stadt verlassen und gewinnen.  

In einem denkwürdigen und spaßigen Moment im Spiel wurden Johnny und Billy zufällig ausgewählt und starteten direkt neben dem Truck in der Mitte des Spielfelds, da ihre regulären Startpositionen nicht auf dem Brett lagen. Zogen beide jeweils eine Heldenkarte, Johnny fand den Schlüssel zum Pick Up Truck und Billy amüsanterweise das Benzin. Am Ende der ersten Runde mussten Sally und Jenny fassungslos mit ansehen, wie Johnny und Billy den Truck starteten und die Stadt verließen und die beiden Mädels im Zombiehorror zurückließen. 

Die Mission war auf eine absurde Weise in kürzester Zeit erledigt, und die Helden gewannen das Spiel. Es sind inzwischen Jahre vergangen, und dennoch erzählen wir uns diese Geschichte immer noch lachend , weil sie einfach so unvorhersehbar war. Ein anderes Mal spielte unsere Gruppe in der Mission "High School". Dem Sheriff ging seine letzte Munition dank eines Fehlwurfs aus und musste seine Waffe ablegen. Er begann einen Raum zu durchsuchen und zog prompt wieder eine Schusswaffe vom Ablagestapel, nur um auch damit schnell keinen Schuss mehr zur Verfügung zu haben. Das passierte mehrere male! Irgendwann stellten wir uns lachend die Frage, warum um alles in der Welt sich so viele Waffen in einer High School befinden. Jetzt bricht jedes Mal Heiterkeit aus, wenn jemand beim Suchen irgendeine Waffe in der Schule findet  und wir scherzen darüber, wie der Sheriff offenbar schon Jahre zuvor dort heimlich ein Waffenlager angelegt hat.

Letzte Gedanken 

Ich liebe dieses Spiel so sehr, dass ich mir nahezu alles dazu gekauft habe. Tatsächlich passt mein gesamtes Zubehör inzwischen gar nicht mehr in die Originalbox.  Dann gibt es ja auch noch die ganzen Erweiterungen! Sie bringen neue Karten mit, die den Decks zusätzliche Optionen verleihen. Es gibt neue Fähigkeitskarten, um Helden oder auch Zombies zu verbessern. 

Neue Helden erweitert das Angebot für Spieler und dazu kommen neue Zombie-Typen. Besonders spannend: die Spezial-Zombies, die eine klare Anlehnung an die besonderen Infizierten aus der Left-4-Dead-Videospielreihe sind. Es gibt sogar "strahlende" Zombies und ja, spezielle Zombies scheinen den Entwicklern wirklich am Herzen zu liegen. 

Natürlich hat das Spiel auch Schwächen. Es ist zullig, keine Frage, und ich will gar nicht behaupten, dass es anders wäre. Aber gerade das finde ich passend für das Setting und das Thema des Spiels. Statt Illustrationen gibt es Fotos von Schauspielern in Kostümen.  

Zugegeben, das mag nicht jedem gefallen, aber ich persönlich liebe den B-Movie-Charme, den es verströmt, und freue mich auf weiteres Material. 

Es gibt zweifellos andere Spiele auf dem Markt, die objektiv besser sind – das ist narlich Geschmackssache. Viele bringen an dieser Stelle "Zombicide" ins Gespräch, und ich werde sicher nicht abstreiten, dass es ein tolles Spiel ist. Schließlich besitze ich selbst eine Ausgabe inklusive alle Erweiterungen davon und spiele es gern. Dennoch denke ich, dass Last Night on Earth in vielerlei Hinsicht einfach besser ist. Es erlaubt sich, ein wenig albern zu sein und dabei jede Menge Spaß zu machen. Außerdem schaffe ich in der Zeit, die eine Runde Zombicide beansprucht, zwei oder drei Partien von Last Night on Earth! Bei Zombicide resultiert die Herausforderung vor allem daraus, dass Horden von Gegnern auf dich einstürmen und du schlicht überwältigt wirst. Die Story dabei ist sind wir mal ehrlich mehr als belanglos bei dem Spiel. Last Night on Earth bringt dagegen einen Zombie-Controller ins Spiel. Jemanden, der strategisch agieren, Pläne schmieden und seine Horden gezielt steuern kann, immer im Rahmen der Regeln, aber dennoch mit einem Hauch Intelligenz und der Portion Kartenglück. Wiederum haben wir auch schon zusammen als Helden auch die Zombies gesteuert,jemand der etwas von Schach versteht, weiß das man einfach fast jedes Spiel auch als Einzel Person kontrollieren kann beziehungsweise 2 Spieler auch Helden und Zombies Steuern kann. 

Wenn du Zombicide bevorzugst, kann ich dich sicher nicht umstimmen genauso wenig, wie du mich überzeugen könntest. Aber darauf möchte man auch nicht näher eingehen, da jeder seine Favoriten hat. Wie gesagt: Ich bin glücklich, beide Spiele zu besitzen, und finde, sie haben ihren Platz in jeder Sammlung verdient, idealerweise nebeneinander 

Das war's also von meiner Seite. Dieses Spiel hat meinen Respekt und meine Begeisterung sicher, ich freue mich schon darauf, wieder eine Partie zu spielen oder es neuen Leuten beizubringen. Ehrlich gesagt: Wenn du mich zufällig irgendwo triffst und ich Zeit habe, setze ich mich jederzeit gern mit dir für ein Spiel hin. Ich hoffe wirklich, dieser Text hat dich dazu inspiriert, Last Night on Earth einmal auszuprobieren!  

Wenn du dir noch unsicher bist oder einen besseren Eindruck vom Gameplay möchtest. Schau dir unbedingt einige Episoden auf Youtube dazu an . Das ist perfekt und gibt dir einen tollen Eindruck zum Spiel. Für meinen Teil hat es einfach riesigen Spaß gemacht, durch Woodinvale zu streifen, und ich kann es kaum erwarten zurückzukehren. 

 Bis dahin bleibt sicher,uninfiziert und gesund bis zum nächsten Mal!

 

 

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