Last Night on Earth : Ein Spiel über Zombies und Charaktere aus einem 50er Jahre Streifen — Retrospektive
Um von Anfang an klarzustellen: Dies ist keine klassische Rezension. Ich besitze das Spiel seit einer gefühlten Ewigkeit und habe es die meiste Zeit über geliebt. So sehr, dass ich inzwischen an einen Punkt gekommen bin, an dem ich nicht mehr objektiv kritisch sein kann. Ich gebe offen zu, dass ich keine Bewertung im Stil von Board Game Geek rechtfertigen werde – ich liebe das Spiel einfach. Es gehört zu meinen Top 10, und wenn man mich fragen würde, wie ich diese aufliste, würde sich die Reihenfolge jeden Tag ändern.
Last Night on Earth zieht mich vor allem wegen seiner Atmosphäre und des Spielgefühls in den Bann. Es schafft eine perfekte Balance zwischen Spannung, Tempo, Teamarbeit und der herrlichen Nostalgie klassischer Zombiefilme. Die Dynamik zwischen Überlebenden und Zombies sorgt stets für spannende Momente, die mich immer wieder begeistern. Wenn du also Lust auf ein Spiel hast, das Horror, Action und Spielspaß miteinander vereint, dann ist Last Night on Earth definitiv einen Blick wert.
Um was geht es...
Last Night on Earth: the Zombie Game ist ein faszinierendes
1-gegen-alle-Brettspiel, das stark von den klassischen B-Filmen der
1950er Jahre inspiriert ist. Die Spieler werden in zwei Teams
aufgeteilt: das Helden-Team, das die Überlebenden einer kleinen Stadt
verkörpert, und das Zombie-Team, das meist nur aus einem Spieler besteht
und versucht, die Helden zu stoppen. Es gibt allerdings auch Regeln,
die es ermöglichen, dass zwei Spieler gemeinsam die Zombie-Seite
übernehmen.
Das Spiel ist szenariobasiert, wobei jedes Szenario
unterschiedliche Ziele vorgibt – von der Aufgabe, eine bestimmte Anzahl
von Zombies auszuschalten, bis hin zur Zerstörung eines großen
Herrenhauses im Stadtzentrum. Die Helden verlieren das Spiel, wenn sie
einen festgelegten Zustand erreichen oder wenn die Zombies
genug Helden töten.
Der Spielablauf der Helden ist folgendermaßen
aufgebaut: Jeder Spieler aktiviert nacheinander seinen Charakter,dafür spielt die Reihenfolge keine Rolle. Dabei
kann er nun entweder an seinem aktuellen Standort in einem Raum suchen oder sich
bewegen. Anschließend hat der Charakter einen Fernkampfangriff und
schließlich einen Nahkampfangriff, jeweils in dieser Reihenfolge. Beim
Suchen darf der Spieler eine Karte vom Helden-Deck ziehen. Diese Karten
enthalten Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Aktionen sogenannte Events die für die ganze Gruppe zählen und den Helden im
Kampf gegen die Zombies verhelfen. Einige Karten sind auch
Reaktionskarten, mit denen man während der Zombie-Phase auf deren
Bewegungen oder Angriffe reagieren kann. Die Bewegung erfolgt durch das
Würfeln eines sechsseitigen Würfels, dessen Ergebnis die Anzahl der
Felder bestimmt, die der Charakter ziehen darf. Dieser Mechanismus sorgt
für dynamische und unvorhersehbare Spielzüge.
Im Anschluss folgt
die Zombie-Phase: Der Zombie-Spieler würfelt zuerst mit zwei Würfeln,
um zu bestimmen, ob am Ende des Zuges neue Zombies ins Spiel kommen.
Danach kann er beliebig viele Karten aus der Hand ablegen und neue
ziehen, um seine Optionen stets breit gefächert zu halten. Alle Zombies
bewegen sich in einen Raum ihrer Wahl, existieren Überlebende in einem
Umkreis von zwei Räumen, müssen die Zombies gezielt auf diese zugehen.
Zudem erlauben bestimmte Karten und Effekte den Zombies, sich schneller
zu bewegen. Wenn Zombies auf die Helden treffen, greifen sie diese in der
zusammengeballten Masse an, wobei ihre Angriffsstärke so gleichmäßig wie
möglich auf die Helden verteilt wird. Neue Zombies, die ins Spiel
kommen, werden anschließend auf sogenannten Laichgruben verteilt.
Das Spiel dauert so lange an, bis das Ziel erreicht wurde oder der Zeitmarker an das untere Ende einer Skala angekommen ist. Während dies das Grundspiel
beschreibt, haben verschiedene Erweiterungen zusätzliche Kartendecks mit
neuen Waffen und Ausrüstung eingeführt. Außerdem erweitern sie das
Spiel um spezielle Szenarioeffekte wie Bäume, Feuer oder besondere
Untote, die das Spiel taktisch noch komplexer und abwechslungsreicher
machen.
Darüber hinaus gibt es ein Schwesterspiel mit ähnlichen
Grundregeln, das jedoch einige Optimierungen bietet, auf die ich später
noch eingehen werde. Insgesamt bietet Last Night on Earth: the Zombie
Game dank seiner Kombination aus klassischem Horrorfilm-Flair,
strategischen Teamkämpfen und variablen Szenarien eine spannende und
wiederkehrende Spielerfahrung für Fans des Genres.
Das Thema zum Spiel
Das
Thema dieses Spiels ist bei jeder Entscheidung erkennbar. Bewegung ist eines
der großen Beispiele hier. Schon die Bewegung der Charaktere spiegelt die klassische Spannung eines
50er-Jahre-B-Films wider: Man würfelt, um eine Zahl zwischen 1 und 6 zu
bestimmen, wie viele Felder sich die Spielfigur bewegen darf. Viele werden das Prinzip hassen, mit nur einem Würfel sich zu bewegen, doch passt es hier
perfekt, da es die nervenaufreibende Flucht vor Zombies simuliert.
Befindet sich ein Charakter etwa inmitten von Zombies und erwürfelt nur
eine Eins, ist das nicht nur frustrierend, sondern thematisch stimmig –
man fühlt sich tatsächlich gefangen und in großer Gefahr.
Die
Zombies selbst sind ebenfalls sehr treffend gestaltet: Sie können sich
durch Wände bewegen, was symbolisch für das Eindringen durch Fenster und
Lüftungsschächte steht aber auch das Durchbrechen einer Bretterwand. Erweiterungen ermöglichen es sogar, Barrikaden
aufzubauen, die aber früher oder später überwunden werden– genau wie in typischen
Horrorfilmen, in denen der sichere Unterschlupf am Ende aufgegeben
werden muss. Das gemeinsame Verlassen sicherer Orte wie dem Winchester
oder dem Einkaufszentrum spiegelt den unvermeidlichen Rückzug der
Figuren aus bekannten Settings wider.
Auch das
Ressourcenmanagement fügt sich wunderbar ins Thema ein: Waffen können
leer geschossen werden oder auch kaputtgehen, Munition ist Karten bedingt begrenzt, und es gilt,
strategisch mit diesen knappen Mitteln umzugehen. Das erzeugt zusätzlich
die Atmosphäre einer verzweifelten Überlebenssituation.
Besonders
gelungen ist die vom Zombiespieler spielbare Karte „This Could be our Last Night on Earth...“, die
den Charakteren den gesamten Zug entzieht, wenn sich ein männlicher und
weiblicher Held allein im selben Raum befindet. Dieses Element fängt die
dramatischen und oft klischeebehafteten Situationen von Horrorfilmen
ein und sorgt für unvorhersehbare Wendungen im Spielverlauf und ist immer wieder amüsant.
Schließlich
sind auch die Schwächen der Zombies stimmig ins Spiel integriert:
Helden können durch „Wände“ schießen, da man annimmt, dass jede Wand
eine Art Fenster hat. So bleibt das Spiel flexibel und hektisch, ganz im
Geist des Genres.
Insgesamt nutzt das Spiel jede seiner
Mechaniken, um das zentrale Thema – den nervenaufreibenden Kampf ums
Überleben in einem klassischen Zombie-Horror-Szenario – aufzugreifen und
erlebbar zu machen. Dadurch entsteht eine atmosphärische und spannende
Spielerfahrung, die Fans des Genres begeistert.
Gleich geht es weiter mit Teil 2 von Last Night on Earth der Retrospektive



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