DIE NACHTSCHNITTER - eine kurz Geschichte

Der Vietnamkrieg war nicht nur einer der blutigsten Konflikte dieses Jahrhunderts, sondern er wurde auch zur Bühne unzähliger Legenden.

Der Dschungel war mehr als nur das Schlachtfeld. Er war ein lebendiges Labyrinth, das für die Kämpfer beider Seiten erdrückend war.

Die erste Erwähnung des Erdrückenden wurde als unmöglich klassifiziert: ein Feind, der nicht da schien, kein Militär, keine Maschine, sondern ein Raubtier, das gezielt durch den Dschungel schlich und auf der Jagd war.

Es schien für die Gejagten kein Entrinnen zu geben, wenn das Unbeschreibliche sich auf ihre Fährte heftete.

Der vietnamesische Dschungel verschlang jedes Geheimnis: Sumpfige Flüsse, hohe Feuchtigkeit, die jeden Mann in die Knie zwang, und dicht angesiedelte hohe Bäume, die jedes Licht verschlangen und so den hellichten Tag zur Nacht machten.

Es tauchten Geschichten auf, von ganzen Patrouillen, die spurlos verschwunden waren. Die Beamten notierten dies als Desertation, unbekannte Verluste, einen Hinterhalt des Vietcong oder Gefangennahme.

Die Soldaten im Feld bemerkten jedoch irgendwann ein beunruhigendes Muster: Es gab keine Anzeichen eines Feuergefechts oder einer Konfrontation mit dem Feind. Doch fand man immer wieder Gewehre und Ausrüstung einzelner Truppen. Im Schlamm verschwanden Fußspuren, als ob die Soldaten in den schlammigen Morast nach unten gezogen wurden. Die Überlebenden schienen dem Wahn verfallen zu sein und erzählten wirre Fantasien, die jedoch erschreckend detailliert waren. Manche sprachen von leuchtenden Tausenden Augen in der Dunkelheit. Andere behaupteten, gewaltige Gestalten hätten sich zwischen den Bäumen gewunden.


Der Dschungel selbst schien uns vor etwas zu warnen, als plötzlich die Tiere verstummten. Ängstlich kauerten Affen auf den Ästen, ihre Blicke fixierten uns, und es schien, als wüssten sie bereits, welches Unheil uns bevorstand. Schwärme von Vögeln stoben aus den Baumkronen empor und erfüllten den nebelverhangenen Himmel mit schrillen Schreien, die wie ein finsterer Vorbote wirkten. Es wurde erzählt, dass die Dorfbewohner sich in selbst gegrabenen Gruben versteckten, sooft diese unheilvolle Stille über das Land zog. Doch als die Beamten des Special Marine Service nachfragten, wurden sie lediglich als Ungläubige abgetan, die nur Spott für alte Legenden übrig hatten.

Sie behaupteten, es gäbe verbotene Zonen im Wald, die mit Fallen übersät sind. Dort würden Kopfjäger auf Menschenjagd gehen.

Wir, die Ausländer in diesem sonst schönen Land, sind die Eindringlinge, die etwas heraufbeschworen haben, das wohl nur schlief und durch unser Eindringen erwachte.

Die Soldaten, die im Wirr erzählten, nannten das Wesen nur „Spindel”.

Es waren keine Guerillas, keine eingeborenen Stämme, sondern etwas viel Grausameres, das keine Gnade kannte. Und während das Gerücht immer mehr zunahm, wuchs auch die Angst bei jeder Patrouille, die hinein musste, in jenes Gebiet, vor dem die Einheimischen uns warnten und das die Beamten als die Zone bekannt gaben.

Im Laufe der Zeit begannen sich die Beschreibungen zu mehren und immer detaillierter zu werden: Ein über drei Meter großes Wesen, bedeckt von einer feuchten Haut und von Schlamm und Blut. Seine Arme sollen sich ringeln wie tausend Schlangen, um seine Opfer sofort zu packen, wo immer sie stehen.

Die Kiefer der Aussagen derer, die es sahen, waren so gierig und mit endlos vielen spitzen Zähnen gespickt, dass sie menschliche Knochen zermalmen konnten, ohne dass etwas entweichen konnte.

Das Wesen griff nicht wie ein wildes Tier an. Es lauerte geduldig wie ein Gepard auf seine Opfer, beobachtete sie und wählte den richtigen Moment. Der Anschein, man könnte es wohl verwunden, liegt so nahe.

Man sagt, das Schlimmste seien die Schreie derer, die zerquetscht werden, erdrückt von seiner Masse, in der Dunkelheit noch Schlimmeres zu erahnen, einfach in die Dunkelheit gezogen zu werden.

Die Besorgnis über das Verschwinden zahlreicher Personen erreichte schließlich das Hochland. Die Regierenden konnten nicht zulassen, dass die eigene Moral einer unbekannten Angst nachgibt.


Die Antwort darauf war eine geheime Operation—eine Mission, bei der das Ziel jedes Mittel rechtfertigen sollte.

DIE NACHTSCHNITTER 

Eine Eliteeinheit, geschaffen für eine Mission von höchster Geheimhaltung: Ihr Auftrag war es, ein unbekanntes Wesen aufzuspüren, es zu verfolgen und zu neutralisieren. Die Soldaten waren mit der fortschrittlichsten Technologie ihrer Zeit ausgerüstet – Nachtsichtgeräte, verschlüsselte Kommunikationssysteme und hochsensible Bewegungssensoren, die selbst in den dichtesten Bewuchs vordringen konnten. Jede Entdeckung, jede Spur wurde akribisch von einem Beobachter protokolliert, sodass nichts dem Zufall überlassen blieb. Doch das Gehl, dass dieser Einsatz mehr einem Experiment als einer milirischen Operation glich, ließ sich nicht abschütteln. Mit Einbruch der Nacht begann ihr Marsch am Rand einer weiten Ebene. Der Dschungel verschlang sie fast augenblicklich, als sie in seine Dunkelheit vordrangen, sich wie eine lebendige, undurchdringliche Wand um sie schließend.


Bald stießen sie auf Hinweise: riesige Fußabdrücke, unübersehbar wie die eines Elefanten, zerbrochene Äste und knirschende Baumstämme. Auch fanden sie verlassene Überreste von Militärequipment ein beunruhigendes Relikt vergangener Operationen. Doch trotz all dieser Spuren gab es keinen Hinweis auf Kämpfe, und die Erklärungen für das mysteriöse Verschwinden ehemaliger Soldaten blieben so verschwommen wie ihre Umgebung.

Gegen ein Uhr nachts brachen die Sicherheitssensoren plötzlich die erdrückende Stille. Aus verschiedenen Richtungen kamen Signale, die Bedrohung schien überall und doch nirgends zu sein. In Panik effnete die Einheit das Feuer Maschinengewehre donnerten und erleuchteten die Dunkelheit, deren Tiefen von Schatten erfüllt waren, die selbst von Nachtsichtgeräten kaum sichtbar gemacht werden konnten. Ruhelos huschten undefinierbare Gestalten zwischen den Bäumen, dann verstummte alles abrupt.

 
Die Soldaten berichteten später von einer ungreifbaren Präsenz, die sich unter sie mischte – wie ein Schatten, das Sinne vernebelte und manche sogar in qualvolle Trance versetzte. Aus den Tiefen des Dschungels drangen unheimliche Murmeln an ihre Ohren. Es war kein gehnlicher Feind.

Der offizielle Einsatzbericht fasste kurz zusammen: ein nicht näher definierter Kontakt, der in einem strategischen Rückzug endete.

Es war verwunderlich, warum gerade diese Soldaten entkommen konnten und warum es sich gerade in dieser Nacht entschied, nicht zu morden.

Die Regierung und das hohe Militär behielten die Daten im Verborgenen und mahnten zu Stillschweigen, was dieses Wesen in Verbindung bringen sollte. Die Akten wurden versiegelt und das Verschwinden weiterhin dem Feind zugeschoben. Die Einheit wurde nachgiebig aufgelöst.

Doch die Angst jedoch blieb, sie ließ sich nicht mit Tinte und blinden Worten ausradieren.

Die Mitglieder des Trupps wurden von Wahnvorstellungen und Albtumen verfolgt. Etwas Ruchloses rief nach ihnen, zurück in die Nacht.

Nun erzählt man sich Geschichten von prähistorischen Riesenaffen, die isoliert im Dschungel leben.

Schilder von Landminen wurden aufgestellt und das Gebiet wurde weiträumig geräumt. Wer nicht freiwillig ging, ist gegangen.

Eine Theorie verweist auf militärische Experimente, von geheimen Projekten in unterirdischen Laboren, bei denen tödliche Kreaturen erschaffen wurden und schließlich entwischten. Wesen ohne moralischen Kompass, gleichermaßen gefährlich für Freund wie Feind. Andere wiederum vermuten metaphysische Ursachen

Eine andere wiederum besagt, Manifestationen uralter Träume, aus einer fremden Dimension herübergeschwappt in unsere Realität sich zugang verschafft.

Doch ich habe es gesehen, ich aus dem Nachtschnitter-Kommando habe es gesehen ...


 

 

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